Durch welche Brille betrachten Sie KI?
Die meisten Unternehmen und Kanzleien haben bereits umfangreiche Erfahrungen mit der Einbeziehung von KI gemacht.
Häufig bleiben Effizienzsteigerung und Gewinnmaximierung aber noch ein Versprechen.
Könnte es auch daran liegen, dass sowohl Mitarbeitende als auch die Geschäftsführung KI mit unterschiedlichen Brillen betrachten? Und diese Brillen nicht wahrnehmen, geschweige denn aktiv in den Transformationsprozess mit einbeziehen?
In der Regel werden fünf unterschiedliche Brillen getragen.
Die „aktuelle Brillen-Mode“ finden Sie hier:

KI-Anwendungen jeglicher Art sind dabei, unsere Gesellschaft und den beruflichen Alltag in Unternehmen und Kanzleien erheblich zu verändern. Sie werden zunehmend besser in der Erledigung menschenähnlicher kognitiver Aufgaben, vor allem wenn es sich um repetitive und standarisierte Aufgaben handelt.
Das könnten gute Neuigkeiten sein: wenn KI uns die immer wiederkehrenden – häufig ermüdenden - Aufgaben abnimmt, wird Raum geschaffen für kreatives und eigenständiges Denken, für Weiterbildung und das Erschaffen von neuen Businessansätzen bis hin zu „innovativen Kanzlei-Produkten“. Der Mensch ist mehr als nur ein „Datenverarbeiter“. Mit seiner Intuition, Lebenserfahrung und persönlichen situativen Eindrücke, die aus der unmittelbaren Kommunikation und Interaktion mit Menschen gewonnen werden, schlägt er am Ende die KI in vielen Bereichen um Längen.
Trotzdem kommen in vielen Kanzleien und Unternehmen die notwendigen Veränderungsprozesse nicht so recht in Gang. Häufig liegt das nicht an der technischen Umsetzung, auch nicht daran, dass keine KI-Schulungen angeboten werden, sondern an der mangelnden Akzeptanz oder gar am Widerstand der Jurist:innen, die von den Führungsebenen im Prozess der Transformation nicht adäquat mitgenommen werden.
Forscher der Universität zu Köln haben „fünf Brillen“, also fünf unterschiedliche Sichtweisen, identifiziert, durch die Mitarbeitende einen technischen Transformationsprozess betrachten.
Quelle: Schneider/Sting, Harvard Business Manager 4/2019
Traditionalistischen Brille
Jurist:innen mit traditionalistischen Brillen sind häufig älter, berufserfahren und empfinden sich als „Macher:in“, die bislang noch jede Herausforderung ohne KI gelöst haben. In dieser Gruppe ist die Ablehnung am stärksten ausgeprägt und da sie Jurist:innen sind, fallen ihnen viele Argumente ein, warum KI in ihrem Bereich nicht wirklich funktioniert.
Utilaristische Brille
Die Utilaristen wägen den kurzfristigen Stress, der bei einer Umstellung ihrer Arbeitsweise auf KI-Tools entsteht, gegen den langfristigen Nutzen ab. Kommen sie zu dem Schluss, dass eine erfolgreiche Einbeziehung von KI langfristig ihren Arbeitsplatz sichern wird, lassen sie sich mit Murren auf die Transformation ein.
Anthropozentrische Brille
Schauen Jurist:innen durch die anthropozentrische Brille, dann stellen sie den Menschen in den Mittelpunkt. Sie heben hervor, dass KI von Menschen designt und von Menschen angewendet wird. Bei der Umsetzung von KI-Projekten wollen sie Einfluss nehmen, behalten die Auswirkungen auf den Menschen im Blick und verlangen selbiges von der Geschäftsführung.
Funktionalistische Brille
Die Funktionalisten sind anwendungs- und zweckorientiert und lassen sich auf KI ein, wenn sie die die Vorteile der Tools als „Mittel zum Zweck“ für ihre Arbeit erkennen. Die Forscher der Universität zu Köln haben diese Brille vor allem bei Führungskräften gefunden, die häufig nicht verstehen konnten, dass ihre Kolleg:innen Widerstände entwickeln.
Spielerische Brille
Schließlich gibt es noch diejenigen, die den, durch KI ausgelösten Transformationsprozess und den Einsatz von KI begeistert begrüßen. Diese Jurist:innen schauen durch die spielerische Brille auf Neuerungen und empfinden diese als willkommene Abwechselung.
Ein erfolgreiches Umsetzen des durch KI ausgelösten Transformationsprozesses erfordert Selbstreflexion (welche Brille sitzt auf meiner Nase und wie sieht es bei den anderen aus?) und „Brillen angepasste“ Kommunikation. Setzt die Geschäftsführung voraus, dass alle den Einsatz von KI genauso betrachten wie sie selbst, geht es schief.
Holt sie die Mitarbeitenden nicht entsprechend ihren jeweiligen Brillen ab, geht es ebenfalls schief.
In Anbetracht der Chancen, die KI bietet, würde ein solches Vorgehen grob fahrlässig den Unternehmenserfolg torpedieren.
Sprechen Sie uns an – wir begleiten Sie bei Ihrem KI-Projekt.